Abo D

Donnerstag

26. Oktober 2017

Kerle im Herbst  

Mittwoch

29. November 2017

Wie im Himmel

Dienstag

30. Januar 2018

Backbeat - Die Beatles in Hamburg

Mittwoch

11. April 2018

Monsieur Claude und seine Töchter

Donnerstag

03. Mai 2018

Liebeslügen  

-Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr-

KERLE IM HERBST 


© Foto: L. La Rocca

Komödie von Katrin Wiegand
mit Horst Janson, Max Schautzer, Christian Wolff u.a.
Regie: Horst Johanning
Münchner Tournee

Mit Ende 70 haben sich Manfred, Rolf und Wolfgang in einer Villa auf Mallorca niedergelassen, verbringen ihren Herbst des Lebens mit allerlei Frotzeleien und ziehen sich mit den Unzulänglichkeiten des Alters auf – cholesterinüberwacht und diätbekocht von der hochschwangeren Haushälterin Dani. Da kündigt eines Tages eine alte Schulfreundin per Brief ihren Besuch an: Karin, die hübsche Karin mit den langen Beinen und den schönen …. Sie kommen schnell dahinter, dass sie alle drei etwas gemeinsam haben: Sie hatten um den Abi-Ball herum jeweils ein Techtelmechtel mit besagter Karin! Also muss einer der „Kerle im Herbst“ der Vater ihrer Tochter sein. Eines Kindes, das inzwischen auch Ende 50 sein müsste. Aber wo bleibt Karin? An ihrer Stelle kommt ein nächster Brief – und dann noch einer. Und spätestens jetzt dämmert es ihnen, dass da noch größere Überraschungen auf sie zukommen werden. Drei Paraderollen für die Alt-Stars des Boulevard. Die Sunny-Boys Horst Janson, Hans-Jürgen Bäumler und Christian Wolff – als Haushälterin Dani agiert Jansons Tochter Sarah-Jane Janson – hauen sich die Pointen nur so um die Ohren, sprühen vor Charme, Witz und Spielfreude – und das alles mit Augenzwinkern und reichlich Selbstironie. Ein leichter, lockerer Theaterabend – es ist erfrischend zu sehen, welchen Spaß die drei Haudegen auf der Bühne haben.


WIE IM HIMMEL


© Foto: G2Baraniak

Schauspiel mit Musik von Kay Pollak
mit Georg Münzel, Fraunziska Herrmann u.a.
Regie: Axel Schneider
Altonaer Theater / Hamburger Kammerspiele

Der gefeierte Stardirigent Daniel Daréus erleidet in der kalten und leistungsorientierten Musikwelt einen Herzinfarkt. Er zieht sich zurück in sein altes Heimatdorf, wo er nach einigem Zögern den Kirchenchor übernimmt, um dort die echte, wahre Urmusik zu finden. Bei den angeblich einfachen, schlichten Dorfseelen, die aber ihrerseits jede Menge seelische Päckchen zu tragen haben. Und so trifft hier der unvollkommene Mensch auf göttliche Musik: In einer Mischung aus Gesang, Gefühl und Tragik, in der es um lebensentscheidende Veränderungen geht und darum, welche (musikalische) Energie es dazu braucht. Während die Chormitglieder vom neuen Schwung des prominenten Musikers begeistert sind, schlägt Daniel im Dorf auch starke Skepsis entgegen. Nicht nur seine unkonventionellen Methoden erregen Misstrauen, auch der Enthusiasmus und das neu erwachte Selbstbewusstsein seiner Sänger passen nicht jedem. Dass erkennt auch Stig, der Dorfpfarrer, der deshalb massiv gegen seinen neuen „Gegenspieler“ intrigiert. Seine Schäfchen drängen alle in Richtung Chor, und Stig mutiert immer mehr zur allgemeinen Spaßbremse, während sich der Chor zunehmend selbst entdeckt und befreit. Ein wenig bleibt es in der Schwebe, was dies alles auslöst: Ist es die Kraft des gemeinsamen Singens oder das Charisma des neuen Chorleiters, in den natürlich alle sofort verknallt sind. Doch über allem schwebt die magische Kraft der Musik - vom klassischen Kirchenlied bis zum Gospel -, und sie schafft es locker, mit ihrem herzallerliebsten, rührenden, so kräftig wie lieblichen Chorgesang das Publikum zu sehr viel Applaus zu bewegen. Ein Theaterabend voller beglückender Sanges- und Lebenslust, Leichtigkeit, Liebe und Freude.


BACKBEAT - DIE BEATLES IN HAMBURG 


© Foto: G2Baraniak

Schauspiel mit Musik von Iain Softley und Stephen Jeffreys
mit David Nádvornik, Philip Spreen u.a.
Regie: Fraunz-Joseph Dieken
Altonaer Theater / Hamburger Kammerspiele

Liverpool Ende der 50er Jahre: John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Stuart Sutcliffe hängen in heruntergekommenen Clubs ab, prügeln sich mit jedem, der ihnen in die Quere kommt, und machen leidenschaftlich wilde Musik. Als sie eines Tages eine vielversprechende Einladung des deutschen Musikveranstalters Bruno Koschmider erreicht, reisen die vier Musiker sowie der wenige Tage zuvor rekrutierte Schlagzeuger Pete Best hoffnungsfroh, eine riesige Chance witternd, nach Hamburg. Was aber aus der Ferne nach dem großen Durchbruch riecht, verpufft aus der Nähe ganz schnell zur großen Enttäuschung: Anstelle von randvollen Hallen erwarten sie schnöde Auftritte in einem zwielichtigen Strip-Club auf der Reeperbahn. Die Bezahlung ist miserabel, die Unterkünfte armselig, und der Weltruhm liegt in träumerischer Ferne. Doch die fünf geben alles, rocken sich schon bald in die Herzen des Publikums und werden zum angesagtesten Geheimtipp der „Großen Freiheit“. Als sich Stuart Sutcliffe, der Bassist, in die Erfinderin der Pilzkopf-Frisur und Fotografin Astrid Kirchherr verliebt und sich gegen die Band entscheidet, kommt es zum Bruch. Sutcliffe bleibt in Hamburg, als die Band nach England zurückkehrt und dort 1962 endgültig mit „Love me Do“ durchstartet. „Backbeat“ erzählt in Form einer spektakulären Bühnenshow – mit den frühen Lennon-McCartney-Songs wie „I Saw Her Standing There“, „Love Me Do“ und „P.S.: “I Love You” und anderen großen Hits wie “Johnny B. Goode“, „That Happy Feeling“ oder „Twist and Shout“ – von den Anfängen der Beatles. Wie eine Hand voll rotziger Jungs in kürzester Zeit die Musikwelt revolutioniert und die erfolgreichste Band der Welt wird. Die erstklassig besetzten „Beatles“ können nicht nur schauspielern, sondern auch großartig live singen und Musik machen – eine nostalgische Reise in die Vergangenheit, die jeder Fan der Fab Four mitmachen sollte. 


MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER


© Foto: a.gon

Komödie nach dem französischen Erfolgsfilm
mit Ralf Novak, Nicole Spikermann u.a.
Regie: Stefan Zimmermann
a.gon Theater München 

Claude und Marie Verneuil, ein gut situiertes Ehepaar im Pensionsalter, führen in einer Kleinstadt an der Loire ein beschauliches Leben zwischen katholischer Kirche und Coq au vin. Ihr ganzer Stolz sind ihre vier Töchter, die auch bereits beginnen, sie mit Enkelkindern zu beglücken. Doch etwas trübt die Freude: Ihre drei Schwiegersöhne sind ein Chinese, ein Araber und ein Jude. Ein hartes Schicksal für Madame und Monsieur, die unter dem Ausbleiben christlicher Trauungen ebenso leiden wie dem Anblick ihrer Enkelkinder. Mit gramgebeugtem Fatalismus haben die beiden die unliebsamen Entwicklungen bisher hingenommen, doch als ihre Jüngste auch noch einen Schwarzafrikaner als zukünftigen Bräutigam präsentiert, gerät ihr psychisches Gleichgewicht endgültig aus der Balance. Als Kinofilm ein Volltreffer, bewährt sich „Monsieur Claude und seine Töchter“ in der Theateradaption von Stefan Zimmermann auch auf der Bühne. Den leichten Ton des Films behält er bei und zündet souverän ein Pointenfeuerwerk der Extraklasse. Die Komödie lässt die tief in der französischen Gesellschaft verankerten Gegensätze aufeinanderprallen, um sie schließlich geläutert zu versöhnen. Bourgeoisie und Banlieue, Paris und Provinz, traditionelles und modernes Frankreich, schwarz und weiß - am Ende haben sie sich alle lieb, darauf kann sich der Zuschauer verlassen. Es ist herrlich mit anzusehen, wie sich der stockkonservative Monsieur Claude mit seinen Schwiegersöhnen herumplagt – ein schwungvoller Clash der Kulturen mit hohem Unterhaltungswert, ohne jedoch die Protagonisten der puren Lächerlichkeit auszuliefern. Ob nun die erzwungene Wandlung des Monsieur Claude zum liberalen Kosmopoliten als Blaupause für den Umgang mit den im Rassismus gründenden Nöten des Landes taugt, ist eher fraglich – dafür ist sein Schicksal zu harmlos, aber höchst vergnüglich. 



LIEBESLÜGEN


© Foto: Oliver Fantitsch

Komödie von Ildikó von Kürthy
mit Jasmin Wagner, Anke Fiedler u.a. 
Ernst Deutsch Theater Hamburg / Thespiskarren Hannover

Julia, Nathalie und Birgit sind seit Jahren beste Freundinnen. Die Treffen in angesagten Szenenbars sind zwar seltener geworden, doch unverändert vertrauen sich die drei ihre intimsten Geheimnisse an. Drei Freundinnen, die auf jeweils eigene Weise mit dem Leben unzufrieden sind. Julias Sexleben liegt flach, denn Ehealltag, Kind und Beruf sorgen für permanente Übermüdung. Birgit hat nach drei Fehlgeburten und vier künstlichen Befruchtungen die Hoffnung auf Nachwuchs aufgegeben. Nathalie, ein liebessüchtiger Single, leidet unter Torschlusspanik, weil sie den Richtigen nicht findet. Dass sie aktuell eine Affäre mit einem Familienvater hat, löst sofort eine heftige Debatte aus: Muss man sich irgendwann zwischen Lust und Liebe, Abenteuer und Sicherheit entscheiden? Sind dauerhafte Beziehungen ohne gelegentliches Fremdgehen überhaupt möglich? Ist Treue ein absoluter Wert, auch wenn die Konsequenz womöglich Scheidung heißt? Oder trennt man sich lieber von den Idealen als vom Partner? So gestaltet sich der Abend als teilweise witziger, teilweise tragischer Ritt durchs Innenleben der Frauen, und trotz aller Freundschaft und großer Vertrautheit ist die Beziehung der drei Ladys nicht ganz frei von Geheimnissen und (Liebes-) Lügen, was im vollem Ausmaß allerdings erst nach und nach enthüllt wird. Die Erfolgsautorin Ildikó von Kürthy hat mit „Liebeslügen“ eine lebenskluge, warmherzige und wunderbar amoralische Komödie geschrieben, die für mehr Humor und Leichtigkeit plädiert, wenn es um die ganz ernsten Fragen geht. Dabei spielen Wiedererkennungseffekte und Wortwitz eine größere Rolle als feinsinnige Charakterstudien.

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