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Donnerstag

05. Oktober 2017

Die Jungfrau von Orléans

Mittwoch

08. November 2017

Krabat

Dienstag

20. Februar 2018

Die Wanderhure

Mittwoch

21. März 2018

Othello

Donnerstag

19. April 2018

Herzleid Los

-Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr-

DIE JUNGFRAU VON ORLÉANS 


© Foto: Landesbühne Rheinland-Pfalz

Schauspiel nach Friedrich Schiller
mit Eva Wiedemann u.a.
Regie: Rolf Heiermann
Landesbühne Rheinland-Pfalz / Kleines Theater Bad Godesberg


Mit dem Schauspiel „Die Jungfrau von Orléans“ blieb Schiller seiner Vorliebe für historische Stoffe treu. Die Handlung spielt etwa 1430 im Hundertjährigen Krieg (1339-1453). Titelfigur ist Jeanne d´Arc, die auch als Jungfrau von Orléans bekannt ist. Im Krieg führt Johanna die Franzosen zum Sieg über die Engländer und Burgunder und verhilft König Karl VII. zur Krönung in Reims. Eine göttliche Eingebung hatte sie hierzu beseelt und ermächtigt. Durch Verrat gerät sie in die Gefangenschaft der Burgunder und wird auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1456 wurde das Urteil aufgehoben und Jeanne d´Arc zur Märtyrerin erklärt, 1920 wurde sie von der Kirche heilig gesprochen. Im Gegensatz zum historischen Kontext weist Schillers Drama jedoch einige Abweichungen auf. So endet Johanna beispielsweise nicht auf dem Scheiterhaufen, sondern wird nach schwerer Verwundung unter französischer Flagge begraben. Man wird dieser neuerdings oftmals missdeuteten und geringer geschätzten Dichtung Schillers am ehesten gerecht, wenn man sie als das nimmt, als was der Dichter sie im Untertitel ausdrücklich bezeichnet hat, nämlich als eine „romantische Tragödie“. Im Falle des Bauernmädchens Jeanne sind es fundamental–religiös belegte Motive, wodurch das Stück eine – bei Schiller - ungewohnt idyllische, mystische Note bekommt, was aus heutiger Sicht sehr zur Diskussion anregt. Schiller hat mit der „Jungfrau“ eine seiner widersprüchlichsten Bühnenfiguren geschaffen. Ist sie bloß eine naives Mädchen, das einem frommen Wahn erliegt, eine konsequente Märtyrerin oder eine Kämpferin in nur scheinbar heiligem Auftrag? In Zeiten von neuen Glaubenskriegen und religiösem Fanatismus wird die Titelfigur zur Zeitgenossin. Die besondere Tragik bezieht das Werk aus dem persönlichen Konflikt der Titelfigur, die sich zwischen ihrem Vaterland und der Liebe zum Feind (Lionel) gefangen sieht. Die Bühnenbearbeitung von Rolf Heiermann, die in einer Inszenierung der Landesbühne Rheinland-Pfalz zu sehen sein wird, setzt ein, als Jeanne d´Arc nach ihrer Gefangennahme vor Gericht steht und dem kirchlichen Verfahren ausgeliefert ist. Retrospektiv werden als Spiel im Spiel die wichtigsten Stationen ihres Lebens nachgestellt. 


KRABAT 


© Foto: a.gon

Schauspiel mit Musik nach Otfried Preußler 
mit Richard Peter, Oliver Severin u.a.
Regie: Stefan Zimmermann
a.gon München

Der Roman spielt in der Lausitz während des Großen Nordischen Krieges. Der vierzehnjährige sorbische Waisenjunge Krabat tritt eine Lehrstelle in einer Mühle an. Die Mühle stellt sich jedoch schon nach kurzer Zeit als eine „Schwarze Schule“ heraus, in der der Müllermeister jeweils zwölf Mühlknappen in der Schwarzen Kunst unterrichtet. Krabat gefällt zunächst die Lehrzeit in der Mühle und der Schwarzen Schule. Ihn fasziniert die Macht, die man mittels Magie über andere Menschen ausüben kann. Er freundet sich mit den Gesellen an, insbesondere mit Tonda, dem Altgesellen, der ihm zum Vorbild wird. Doch Tonda stirbt auf mysteriöse Art und Weise am Ende des ersten der drei Jahre, die Krabat in der Mühle verbringt, und ein neuer Lehrjunge namens Witko nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Auch nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt ein weiterer Geselle und wird durch Krabats Freund Lobosch ersetzt. Krabat durchschaut erst nach und nach das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist: Der Meister, der sich dem Bösen verschrieben hat, muss am Ende eines jeden Jahres einen seiner Schüler opfern. Um dem Meister die Stirn bieten zu können, übt Krabat sich in der Schwarzen Kunst und wird zum besten Schüler. Kraft gibt ihm die Liebe zu einem Mädchen aus dem naheliegenden Dorf, mit dem er sich heimlich trifft. Da vertraut einer der Gesellen  Krabat etwas Wichtiges an: Die Liebe eines Mädchen zu einem der Müllerburschen kann den Meister besiegen! Dazu muss das Mädchen in der Silvesternacht in der Mühle erscheinen und eine Probe auf Leben und Tod bestehen. Lange ringt Krabat mit sich, ob er das seinem Mädchen zumuten möchte ... Das großartige Jugendbuch „Krabat“ von Otfried Peußler ist ein wichtiges Werk, Schülerlektüre und in vielen Schulen sogar Pflichtlektüre. Die Theateradaptation dieser Parabel über Freundschaft, Egoismus und die rettende Macht der Liebe vermittelt Inhalte über Selbstbestimmung, Liebe und Solidarität – Werte, die generell in einer Zeit der Desorientierung, in der die Rattenfänger am Rande der Gesellschaft und Ihre Verführungen nicht weniger geworden sind, das Denken und Handeln bestimmen sollten. Ein opulentes Schauspielensemble, live begleitet von vier Musikern, zeigt in dramaturgisch klug gestalteten Szenen mit Spannung und Tiefgang diese zeitlos gültige Geschichte.


DIE WANDERHURE 


© Foto: Herrmann Posch

Schauspiel nach Iny Lorentz
mit Anja Klawun, Césile Bagieu u.a.
Regie: Thomas Luft
Theaterlust München

Mittelalter, Erotik und das Schicksal eines Mädchens.
Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückscheut. Marie und ihr Vater werden Opfer einer grausamen Intrige. Marie wird aus der Stadt gejagt, sie ist entrechtet, heimatlos. Nur als Prostituierte kann sie überleben, als Wanderhure. Aber als Hure hat sie auch Macht – wenn sie geschickt ist und all ihre Gaben nutzt, ihre Schönheit, ihre Intelligenz und ihren Mut der Verzweiflung. Marie will Macht und Rache. Wird sie beides bekommen? Ein opulentes mittelalterliches Sittengemälde um eine starke, faszinierende Frau und gleichzeitig ein hoch aktuelles Schauspiel voll aufwühlender Leidenschaft. Was dem grandiosen Ensemble um Anja Klawun in der Titelrolle – eine Schauspielerin, die sich dieser Rolle bis zur Schmerzgrenze aussetzt – sowie dem gesamten Kreativteam von „Theaterlust“ da gelungen ist, muss als Sternstunde des Theaters bezeichnet werden. Alles ist aufs Feinste aufeinander abgestimmt, moderne Stilmittel stehen im engen Kontext zu den historisch angelegten Kostümen und verbinden den mittelalterlichen Stoff mit der Gegenwart. Die pointierte Livemusik, eine exzellente Choreografie, ein sensibles Lichtdesign und natürlich ein Ensemble, das Theater aus Leidenschaft lebt, schaffen ein faszinierendes Erlebnis. Gänsehaut, Ergriffenheit und Bravorufe beim Publikum!


OTHELLO


© Foto: Landesbühne Rheinland-Pfalz

Schauspiel von William Shakespeare
mit Martin Semmelrogge u.a.
Regie: Marcel Krohn
Landesbühne Rheinland-Pfalz / Kleines Theater Bad Godesberg

Eifersucht, Trinksucht, Sinneslust, Mordlust, Liebe, Hass, Intrige, Fremdenhass – der Mensch ist eine Bestie, die das Bestialische in sich zähmen muss. Othello, ein Prinz und General, hat Kultur, ist charmant und erfolgreich. Aber er ist ein Mohr. Das macht ihn verdächtig. Für Othellos Fähnrich Jago ist es daher besonders einfach, gegen den Schwarzen Stimmung zu machen und ihn für seine Zwecke aufzustacheln: Einige falsche Hinweise genügen, um in Othello grenzlose Eifersucht entstehen zu lassen. Die Liebe zwischen Desdemona und Othello wird zerstört, bis hin zum Mord. Shakespeare legt die Schauplätze seiner gewaltigen Tragödie - 1604 uraufgeführt unter dem Titel „Othello, Moor of Venice“ – nach Venedig und auf das Zypern des 16. Jahrhunderts und lässt die Protagonisten in einem Sog von Liebe und Hass sich selbst vernichten. Dagegen setzt er die engelhafte Reinheit Desdemonas. Es war für ambitionierte Schauspieler schon immer eine große Herausforderung, den Othello oder den Jago zu spielen. Man darf gespannt sein, wie Martin Semmelrogge als Jago diese Herausforderung angeht.


HERZLEID LOS


© Foto: Derdehmel

Ulrich Gebauer spielt, spricht und singt Erich Kästner
mit Ralf Schink an Piano und Laserharfe
Schlosspark Theater Berlin / Théâtre National du Luxembourg / Konzertdirektion Landgraf

Der prominente Darsteller Ulrich Gebauer widmet sich in seinem neuen, in Koproduktion mit dem Schlossparktheater Berlin, den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Nationaltheater de Luxembourg entstandenen Projekt dem deutschen Schriftsteller, hier Lyriker, Erich Kästner, der mit seinen Gedichten den Finger an den Puls der Zeit legte. Dabei haben seine Gedichte, entstanden in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – man denke nur an den „Hymnus auf die Bankiers“ -, nichts von ihrer Aktualität verloren. Unterstützt wird er von dem Musiker Rolf Schink, der Gebauer sowohl am Flügel als auch auf einem einmaligen, nur für ihn geschaffenen Instrument, einer Harfe aus Licht, begleitet. Zwei Instrumente – Sprache und Musik – begegnen sich gleichberechtigt und schaffen mit dieser musikalisch–literarischen Collage eine neue, eigenständige Kunstform. Gebauer bietet kein oberflächliches Potpourri, kein fades „Best of“, er rezitiert bekannte und unbekannte Kästner–Texte mit dem ganzen Können und Engagement eines gestandenen Bühnenprofis. Durch den Dialog mit der Musik kann Ulrich Gebauer viel stärker als bei reiner Textrezitation den Sprachrhythmus der Verse zum Klingen bringen, kann Sprechpausen in ganz anderem Maße dramatisch gestalten – und was Schink mit der Laserharfe anstellt, ist gleichsam beeindruckend. Geistreiche Unterhaltung, diesen ernsten Spaß und heiteren Ernst darf man auf keinen Fall verpassen!

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